Der Krieg ist aus – die Gewalt geht weiter? Jüdisches Studienforum 2025

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges welches sich 2025 zum 80. Mal jährt, befand sich Deutschland in einer chaotischen Situation. Innerhalb der deutschen Besatzungszonen gab es eine Menge Personen, die aus ihrer Heimat verschleppt, aus Konzentrationslagern befreit wurden oder flüchten mussten. Diese Menschen nannte man Displaced Persons und um diese ging es auch im Jüdischem Studienforum „Der Krieg ist aus – die Gewalt geht weiter?“ von der Akademie für politische Bildung in Kooperation mit der LMU.

Während den drei Tagen der Veranstaltung in Tutzing fand eine Vielzahl an interessanten und zugleich berührenden Vorlesungen und Workshops für ungefähr 60 Schüler von Gymnasien aus Teilen Bayerns statt.

Im Anschluss an den zweiten Weltkrieg wurden sogenannte Displaced-Persons-Camps errichtet. Diese dienten als Auffangstationen dazu den Heimatvertriebenen eine Möglichkeit zu geben, sich von den Folgen des Krieges zu erholen und ihr Leben neu anzufangen. Etwa einem halben Jahr nach der Errichtung dieser DP-Camps, wurden den Juden isolierte Stationen angeboten, da diese in den Camps auf engem Raum mit anderen Personengruppen zusammenleben mussten, die ihnen feindlich gegenüberstanden oder gar Nationalsozialisten waren.
Einige Juden hingegen sind nach Ende des Krieges in ihre osteuropäische Heimat zurückgekehrt, wo sie von neuem Antisemitismus ausgesetzt waren, worum es in der Vorlesung von Prof. Dr. Andrea Löw ging. In Kielce, einer Stadt im Südosten Polens, kam es zu einem tragischen Massaker, in dem mindestens 40 Personen umgekommen sind. Der Auslöser war die Lüge eines Kindes, das fälschlicherweise behauptet hat, er wäre von Juden in einem Keller festgehalten worden. In Wirklichkeit hat er ein paar Tage bei einem Freund übernachtet und vergessen es seinen Eltern zu erzählen.

Zudem handelte es sich in einer anderen Vorlesung von Lilly Maier beispielsweise um die bei machen Münchnern bekannte Möhlstraße, einem oftmals als Schwarzmarkt bezeichneten Handelsplatz im Bezirk Bogenhausen. Juden haben hier von den amerikanischen Besatzern die Möglichkeit erhalten bestimmte Produkte günstiger anzubieten, weshalb die Möhlstraße zu einem Umschlagplatz für Waren jeglicher Art wurde.
Neben vielen anderen interessanten Vorlesungen wurde auch eine berührende Buchlesung von den Schülern selbst gemeinsam mit Dr. Kristina Milz aus ihrem Buch „Todesursache Flucht“ über unglückliche Schicksale von Geflüchteten in der Gegenwart vorgestellt. Es fanden außerdem mehrere Workshops statt, in der wir zum Beispiel über die jiddische Sprache gelernt und Plakattitel übersetzt haben.

Am letzten Tag besuchten wir den Erinnerungsort BADEHAUS Waldram, welcher sich mitten im ehemaligen DP-Camp Föhrenwald befindet. Neben der Besichtigung des Badehauses machten wir auch eine Stadttour, die zu unserer Überraschung sogar ins Wohnzimmer einer Stadtbewohnerin führte. Auf einer Wand des Raumes befand sich nämlich ein jiddischer Schriftzug mit jüdischer Symbolik, die die Familie hinter der Wandfarbe entdeckt hat.

Die Vorlesungen haben, auch wenn sie mit Ausnahme von Mahlzeiten und Pausen, den ganzen Tag überdauert haben, nie an Spannung verloren. In den Workshops haben wir sehr viel Wissen gelehrt bekommen und letztlich eine Exkursion zu einer Gedenkstätte erhalten. Für geschichtsinteressierte Schüler ist das jährliche Studienforum auf jeden Fall eine lohnenswerte sowie bereichernde Erfahrung.

Mark Schiesser

Impressionen